BO: Lautstarke Schulstreikdemo trotz Verbot

Ohne eine bundesweiten Kampagne und trotz Verbot seitens der Bezirksregierung demonstrierten gestern in Bochum ca. 700 Schülerinnen gegen Leistungsterror, soziale Selektion und den sinnlosen Schulalltag. Neben dem dreigliedrigen Schulsystem und dem „G8“ standen auch die autoritären Strukturen in Schulen sowie die Ökonomisierung von Bildung in der Kritik. Gefordert wurde neben einer Schule für alle und mehr Mitbestimmungsrechten auch die generelle Aufhebung des Leistungsprinzips und der Humankapitalisierung des Menschen.

Los ging es um 10 Uhr am Hauptbahnhof. Nach einem kurzen Auftakt ging es mit bunten Tranparenten, Konfetti und lauter Muik gegen den grauen Schulalltag in Richtung Innenstadt. Immer wieder wurden die Frderungen unterstrichen. „Wir wollen selber entscheiden was wir lernen und wie wir lernen“, „Gegen das dreigliedrige Schulsystem, „G8 abschaffen“ usw. Großen Beifall unter den Demonstrierenden fand die Bemerkung, dass Lehrer_innen in dem sie sich ständig über Politikverdrossenheit unter Schüler_innen beschweren, jedoch wenn diese unkontrolliert und selbstorganisiert für ihre Rechte auf die Straße gehen nichts besseres wissen als mit Strafen und Verboten zu drohen, den wahren Gehalt ihrer pluralistischen Floskeln beweisen.

Die erste Schule auf dem Weg, das Hildgardis-Gymnasium, wurde von der Polizei abgeriegelt. Die Schülerinnen konnten der Demo ledigich vom Fenster aus zuwinken. Wenig später, unmittelbar vor dem Goethe Gymnasium hielt die BezirkschülerInnenvertretung eine Rede, die sich u.a. mit sozialer Selektion und Mitbestimmung beschäftigte. Auch Mobbing wurde thematisiert, verbunden mit der Aufforderung sich als Schülerinnen lieber solidarisch und gemeinsam gegen Schikanen der Lehrer_innen zu wehren anstatt sich gegenseitig fertig zu machen. Bemerkenswert war an dieser Stelle außerdem ein spontaner Redebeitrag einiger Schüler_innen der Hauptschule am Lenneplatz, die sich darüber beschwerten, dass sie von ihren Lehrer_innen als „Asoziale“ und „Junkies“ bezeichnet werden, ihre Schule schimmelt und auseinanderfällt und sie von einem Lehrer sogar mit einem Schlüssel geschlagen wurden.

Weiter ging es zurück durch die Innenstadt und wieder zum Hauptbahnhof, wo noch einmal kurz die Funktionen der Schule als Anpassungsinstument für die moderne Arbeitsgesellschaft kritisiert wurde. Alles in allem eine gelungene Aktion. An dieser Stelle noch einmal Danke an alle Schüler_innen die trotz des Verbots demonstriert haben, die Vorbereitenden und alle Unterstützer_innen. Danke auch an die GEW, die mit einer Pressemitteilung und Anwesenheit am Tag selber ihre Sympathie mit unserem Anliegen bekundeten. Die Presseresonanz war erstaunlich groß und positiv. PR-Technisch kann man von einem klaren Sieg der Bochumer Schüler_innen gegen ihre autoritären Widersacher in den Lehrerzimmern und Ausschüssen sprechen. Letztere hatten mit ihrer Hetzkampagne keinen Erfolg. Wir hoffen dazu beigetragen zu haben, dass Bildungspolitischer Protest wieder stärker wird und in der Diskussion bleibt, nicht zuletzt jedoch den von oben gewünschten politischen Frieden an Bochumer Schulen nachhaltig gestört zu haben.

Gegen Anpassungslernen, für Emanzipation und freie Bildung!
If the kids are united they will never be divided!

Weiterführende Links:

Aufruf

Bericht WAZ

Bericht RuhrNachrichten

Bericht Lokalzeit Ruhr

Bericht Radio Bochum

Pressemitteilung GEW

Pressemitteilung die Linke

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